Ein Beitrag von Ulrike Parthen.

Heidi sitzt gespannt vor ihrem Rechner. Auf der rechten Seite bewaffnet mit Kugelschreiber und Block. Auf der linken mit der üblichen Nervennahrung: einer großen Schüssel Chips. Nerven wird sie auch brauchen, denn sie tut es wieder …
Sie besucht ein kostenfreies Webinar zum Thema Kundengewinnung. Dieses Mal ist Herr Müller Referent und er referiert über E-Mail-Marketing. Nach 10 Minuten bekommt Heidi bereits eine Vergleichsrechnung präsentiert. Mailings versus Printwerbung. Laut seiner Vergleichsrechnung kostet Print ganz viel Geld und bringt nichts. Heidi versucht mit einer Hand voll Chips, ihre Nerven in den Griff zu kriegen. So viele Zahlen, Daten und Fakten. Das ist doch ein bisschen viel für Heidi, obwohl sie in ihrem Beruf als selbstständige Versicherungs-Maklerin auch mit Zahlen zu tun hat.

Nach 45 Minuten ist Heidis Schüssel leer und das Webinar um. Was Heidi davon als Resümee mitgenommen hat: Printwerbung ist doof, da zu kostspielig. Daher soll sie bei Herrn Müller ein Seminar zum Thema E-Mail-Marketing für 600 Euro buchen. In dem lernt sie, wie sie selbst erfolgreich E-Mail-Marketing betreiben kann. Herr Müller erklärt weiter, dass sie mit Mailings wesentlich mehr Kunden wesentlich einfacher und mit weniger Kosteneinsatz gewinnen kann. Da Heidi immer bestrebt ist, den neusten Trends in Sachen Kundengewinnung zu folgen, findet sie Printwerbung ab sofort auch doof und bucht umgehend das Seminar.

 

Theoretisch ist es praktisch ja ganz einfach!

Sechs Wochen später sind sämtliche Chipsvorräte der Umgebung aufgebraucht. Heidis Nerven liegen total blank. Egal, wie sehr sich Heidi auch anstrengte: Irgendwie klappte das alles mit diesem E-Mail-Marketing nicht so wirklich. Es hörte sich theoretisch logisch und einfach an, was Herr Müller alles in seinem Seminar zum Besten gab. Praktisch allerdings konnte sie kein bisschen davon in die Tat umsetzen. Das ärgert Heidi maßlos, da E-Mail-Marketing im Vergleich zu Print doch so wenig kostet.

Heidi geht plötzlich ein Licht auf, dass an der Rechnung irgendein Haken sein muss. Und dann fällt ihr auch ein, warum: 600 Euro Seminarkosten plus 30 Stunden vergebene Arbeitszeit – macht in der Schlussrechnung ein hübsches Sümmchen. Sie addiert die Kosten für vergangene Seminare zum Thema Xing-Marketing, Facebook-Marketing, Video-Marketing samt den vielen, vielen Stunden des Lernens hinzu und wird in der nächsten Sekunde blass.

 

Tückische Vergleichsrechnungen – die Rechnung geht leider nicht auf!

In der Vergleichsrechnung des Herrn Müller zum Thema online versus offline wurde ein entscheidendes Detail vergessen zu erwähnen, und das sind Sie! In welcher Branche sind Sie ausgewiesener Experte und verkaufen Ihre Produkte oder Ihre Dienstleistung? Im Bereich Werbung? Nein? Dann wird es Ihnen sehr schwer fallen, in Eigenregie erfolgreiche Social-Media-Werbung praktisch umzusetzen. Ganz so, wie ich niemals in diesem Leben mein kaputtes Auto selbst wieder in Gang kriegen würde – egal, wie viele Seminare ich darüber auch aufsuche. Wenn ich ganz sicher schnell wieder Fahrt aufnehmen möchte, suche ich schnurstracks eine Kfz-Werkstatt auf, anstatt immer neue Seminare zum Thema „Wie repariere ich meine Auto“ zu buchen.

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Die Quittung dieses Rechenfehlers erhalten früher oder später Sie, wenn Sie merken, dass die Rechnung einfach nicht aufgehen will. Herr Müller hat insofern Recht, dass E-Mail-Marketing in der Produktion natürlich um einiges günstiger ist als Print. Vergaß aber zu erwähnen, dass es auch nur dann funktioniert, wenn es nach allen Regeln der Werbetextkunst erschaffen wurde. Zudem ein cleveres Konzept zugrunde liegt und mit anderen Marketing-Aktivitäten geschickt verknüpft wird. Für Laien eine nahezu unlösbare Aufgabe, die daher nur schief gehen kann.

Ist Printwerbung wirklich doof?

Nein!
Werbung, die nicht funktioniert, ist doof!

Gute Werbung funktioniert überall – online wie offline. Heidi als Versicherungsexpertin hat zwar ein Händchen für die besten Versicherungsstrategien, kennt alle Fallstricke, sämtliche Tricks und Kniffe. Es liegt ihr einfach im Blut. Marketing dagegen so gar nicht – auch wenn sie noch weitere Seminare dazu durchläuft. Daher übergibt sie fortan sämtliche Belange ihres Marketings in professionelle Hände. Ja, das kostet definitiv Geld. Wenn Heidi allerdings an die vielen Ausgaben für Seminare sowie unzähligen, sinnlosen Arbeitsstunden denkt, kann sie darüber nur lächeln. Die übersteigen das Honorar für einen Fachmann nämlich bei Weitem.

Heidi ist seit Neustem übrigens wieder Print-Fan. Seit genau dem Tag, an dem sie den Print-Flyer einer Kollegin gesehen hat. Er fällt total auf, ist so ganz anders und tut damit sein angedachtes Werk. Zusätzlich kann er geschickt mit Social-Media-Aktivitäten wie z.B. einem Blog, Xing und Facebook kombiniert werden. Online und Offline – ein super Dream-Team also, das einiges bewegen kann, wenn man es nur lässt.

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