Ein Beitrag von Heidi Weißlein.

Die Geschichte vom Hans im Glück

Anfang April war es wieder soweit – ich hatte den Termin zur Abgabe eines Beraterbriefs für eine Zeitschrift und hatte mir auch schon ein Thema zurechtgelegt. Die Überschrift war geschrieben und – wie das halt immer so ist – es kamen noch einige andere Dinge, die man vorher noch erledigen musste. Und dann änderte sich alles. Jetzt möchte ich Ihnen die Geschichte von einem Freund erzählen – nennen wir ihn doch einfach Hans. Hans im Glück. Kennen Sie nicht auch dieses Märchen? Hier eine etwas andere Version.

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Unser Hans hatte eine nicht einfache Kindheit und erlernte einen bodenständigen Beruf. Er hatte aber immer einen Traum – er tanzte für sein Leben gern. Und eines Tages – er war schon ein „später Teenie“ – beschloss er, seinen Traum zu leben. Er erlernte klassisches Ballett, wurde Musical-Darsteller und Diplom-Tanzpädagoge und eroberte die Welt der Bühne. Die Welt stand ihm offen – er tanzte auf Traumschiffen, im Ballett der bayerischen Staatsoper, war einmal rund um den Erdball unterwegs. Ob in Tokyo oder bei den Bregenzer Festspielen – ob als Dance Captain oder bei James Bond – Hans im Glück lebte und tanzte jahrelang seinen Traum. Er hatte viele Bekannte, war lustig, beliebt und immer rastlos unterwegs. Er hatte sein Glück gefunden. Die Jahre vergingen, und Hans im Glück spürte, dass sein Körper nicht mehr so mitmachte, wie er das wollte. Aber er machte weiter. Inzwischen war seine Welt etwas kleiner geworden, aber er fand eine Frau, die er liebte, enge Freunde, mit denen er durch dick und dünn gehen konnte. Er unterrichtete Tanz in der näheren Umgebung und hatte auch hier noch Engagements. Aber es wurde mühsamer. Schließlich wurde seine Mutter krank, er verlor seinen geliebten Job – aber seine Partnerin stand zu ihm – und erstmals erlebten wir Hans rat- und planlos. Er beschloss, in seinen erlernten Beruf zurückzukehren und er fand eine neue (alte) Leidenschaft wieder – das Motorradfahren. Am 31. März 2016 war Hans bei uns. Es ging ihm schlecht. Er war schon länger krank gewesen, war inzwischen wieder alleine und seine Mutter wieder schwer krank im Krankenhaus. Wir munterten ihn auf und unterhielten uns über zwei Stunden intensiv und verabschiedeten uns fröhlich – bis zum nächsten Mal! Alle sieben Jahre gibt es Seuchenjahre – da kommt alles auf einmal – dann geht das vorbei und es geht wieder nach vorne – das waren unsere Worte. Und ich sah ihn wieder auf der Bühne – als Coach, um Menschen zu begeistern.

Am 5. April gegen Mittag erhielten wir einen Anruf seiner früheren Lebenspartnerin. Unser Hans im Glück war am 2. April bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Ich hatte am Tag vorher noch mit ihm gechattet – und ihm am 5. April über WhatsApp eine liebe Nachricht geschrieben – und mich gewundert, dass keine Antwort gekommen war. Hans wurde 50 Jahre alt.

Hans im Glück © Heidi Weißlein

Warum schreibe ich das alles in diesem Beraterbrief?

Nun, man kann sein Leben planen – aber das Leben schreibt seine eigenen Geschichten. Unser Hans war oft genug im Leben gestürzt, ist aber immer wieder aufgestanden. Das nennt man Resilienz. Hinfallen – Aufstehen – Weitergehen. Nicht nur er, wir – oder auch Sie? – kennen das. Manche bleiben liegen, manche machen weiter – und manche leben ihren Traum.

Zu welcher Kategorie möchten Sie gehören? Ich unterstütze Sie gerne beim Aufstehen und beim Weitergehen. Wir finden die Lösung. Rest in Peace, Hans. Ich hoffe, du hast Dein Glück gefunden. Wir vermissen dich so sehr!

Hier noch ein Lied-Text aus dem Musical „Elisabeth“, es beschreibt meiner Meinung nach sehr gut, was wir fühlen.

„Wenn ich tanzen will,
dann tanz ich so wie’s mir gefällt.
Ich allein bestimm‘ die Stunde.
Ich allein wähl die Musik.
Wenn ich tanzen will,
dann tanze ich
auf meine ganz besond’re Art.
Am Rand des Abgrunds
oder nur
in deinem Blick.“

 

Bildquelle Titelbild: © Unsplash.com/ Irene Dávila